Grappa

Grappa: Was ist das? Wo kommt Grappa her?
Bekanntlich stammt der Grappa aus Italien, und zwar aus so gut wie allen Weinbauregionen des Landes. Sicherlich gibt es verwandte Spirituosen in den europäischen Nachbarländern, doch sie hören auf einen anderen Namen. Grappa ist ein Tresterbrand.

Was versteht man unter Trester?
Dies ist der Fachbegriff für all das, was nach der Traubenpressung bei der Weinherstellung übrig bleibt. Man spricht somit auch von Pressrückstand. Anders als ein Weinbrand basiert ein Tresterbrand also nicht auf dem Fruchtfleisch der Weintrauben, sondern aus Bestandteilen wie Schalen und Kernen, die bereits gepresst und vergoren wurden. Tresterbrände aus Italien und aus der italienischen Schweiz werden im Plural entweder als Grappas oder als Grappe bezeichnet.

Und warum heißt Grappa Grappa?
Die Spirituosenbezeichnung leitet sich wahrscheinlich von dem Wort "grappolo" ab, das für Traube steht (und ein wenig an das Englische "grape" denken lässt). Zwar ist der Grappa ein Nebenprodukt der Weinherstellung, doch er sollte gesondert von den Weinen betrachtet werden und hat reichlich Anerkennung verdient.

Was bedeutet Grappa Riserva?
Wie der üblichere Begriff Reserve oder Reserva steht Riserva für eine Reifelagerung im Holzfass. Ein Grappa Riserva durfte also nach der Destillation einige Monate bis Jahre in einem Fass ruhen. Anders als bei Spirituosen wie Whisky und Rum muss dies kein Eichenfass sein, denn auch andere Holzarten eignen sich für die Lagerung von Grappa Riserva. Manchmal handelt es sich bei dem Fasstyp um ein Barrique nach französischer Art, weshalb gelagerter Grappa auch als Grappa Barricata vermarktet wird. Ein gereifter Grappa gilt als edel und zeigt sich in der Regel von der komplexen, runden und weichen Seite mit vielschichtigem Aroma. Kein Wunder, dass ein Grappa aus dem Holzfass gern pur getrunken wird.

Warum ist fassgelagerter Grappa braun?
Er nimmt bei der Ruhephase im Holzfass nicht nur bestimmte Aromastoffe auf, sondern wird auch auf natürliche Weise ein wenig gefiltert. Ein weiterer Nebeneffekt ist eine leichte Färbung. Je länger ein Grappa im Holzfass lagert, desto dunkler ist er. Die Farbe reicht von Blassgold über Bernstein bis Kupfer oder Braun. Nicht gelagerter Grappa ist weiß bzw. klar.

Wie wird Grappa hergestellt?
Die Italiener verlassen sich auf eine aufwändige, direkte Destillation des Traubentresters. Bei den Details der Grappa-Herstellung gibt es Unterschiede zu beobachten, die u. a. mit den Rebsorten und den Eigenheiten der Brennerei sowie eventuell mit regionaltypischen Praktiken verbunden sind.

Wie wird Grappa gemacht?
Handelt es sich um Grappa aus Rotweintrauben, lässt man von Haus aus die Traubenschalen samt Most gären, sodass der Trester bereits vergoren ist und weiterverarbeitet werden kann. Handelt es sich hingegen um Grappa aus Weißweintrauben, findet für die Gewinnung von Wein eine Trennung von Most und Trester statt. Die Pressrückstände werden separat mithilfe von Hefe zum Gären gebracht, und erst dann widmet sich die Grappabrennerei der direkten Destillation. Sie umfasst das Erhitzen des Traubentresters, was wiederum zum Aufsteigen von Dampf führt. Die Dämpfe werden eingefangen und gekühlt, um eine Kondensierung auszulösen. In der Regel wiederholt man den Vorgang bei unterschiedlichen Temperaturen, da die Inhaltsstoffe des fermentierten Traubentresters bei jeweils anderen Temperaturen verdampfen. Am Ende hilft die Destillation dabei, erwünschte und unerwünschte Stoffe voneinander zu trennen. Es bleibt eine aromatische, alkoholhaltige Flüssigkeit über, welche die Grundlage für den Tresterbrand liefert.

Wie schmeckt Grappa? Und wann trinkt man Grappa?
Auswahl: Grappa Prosecco und andere Sorten an Tresterbränden
So manch einer hat schon einen Blick auf das Angebot geworfen, wenn er Grappa kaufen will, und stellt sich weitere Fragen:

Was ist Grappa Amarone? Was ist Grappa Chardonnay? Was ist Grappa di Prosecco?
Der Zusatz verweist jeweils auf die Rebsorte, die den Trester für die Destillation geliefert hat. Es handelt sich dabei um sogenannten Grappa Monovitigno, also um Tresterbrand aus einer einzigen Rebsorte. Rotweinsorten werden bevorzugt, wobei sich Weißweinsorten ebenfalls eignen. Ein Grappa Monovitigno ist im Deutschen ein reinsortiger Grappa bzw. ein sortenreiner Grappa aus Prosecco oder einer anderen Rebsorte. Solche Tresterbrände verkörpern die sortentypischen Aromen. Ebenso kann man Grappa online kaufen, bei dem der Trester mehrerer Rebsorten zum Einsatz kam.

Wie und wann wird Grappa getrunken?
Grappa: wann trinken? Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht, denn es kommt im Grunde sowohl auf die eigene Vorliebe als auch auf das Produkt an. Manche Grappas sind ausgesprochen fruchtig, frisch und eher unkompliziert, während andere die verschiedensten Beiklänge (würzig, holzig, nussig, süß, herb, floral, herbal) entfalten und in aller Ruhe genossen werden sollten. Es gibt auf der einen Seite Grappa Cocktails und auf der anderen Seite exklusive oder gereifte Grappe, die man pur auf sich wirken lässt.

Wie Grappa trinken?
Die Trinktemperatur liegt bei recht kühl (10 °C) für ungereifte Grappas und nicht ganz so kalt (16 bis 18 °C) für gereifte Grappas.

Wozu trinkt man Grappa? Mit was Grappa mischen?
Möchte man Longdrinks und Cocktails mit Grappa mixen, steht eine Vielzahl von Möglichkeiten offen. Grappa Highball und Grappa Sour haben sich als einfache Klassiker bewährt. Wer mag, gönnt sich einen Grappa als Aperitif, indem er ihn mit ebenfalls typisch italienischem Prosecco Schaumwein mixt. Besonders beliebt in Italien ist der caffè corretto mit Grappa und Kaffee. Hierbei kombiniert man Espresso mit einem Schuss Grappa. Der caffè corretto dient gern als Digestif nach der Mahlzeit, und auch Grappa ohne Kaffee kann so genossen werden.

Kurz zusammengefasst bietet es sich an, Grappagläser zu kaufen, wenn man Grappa richtig trinken will. Ein Grappaglas ist meist tulpenförmig und besitzt einen Stil. Es wirkt ein wenig wie ein Weinglas und hat weniger mit einem Cognacschwenker oder Tumbler zu tun. Grappagläser sind nah am Stiel recht bauchig und verjüngen sich nach oben hin etwas, um die Aromen herauszulocken sowie anzusammeln. Bei einem Nosing bzw. Tasting – also bei einer Verkostung – kann der Tresterbrand im Grappaglas seinen Charme entfalten. Manche Genießer schwören auf Grappagläser für junge Destillation und Cognacgläser für Grappa Riserva. Erst einmal gibt man den Grappa ins Glas (zu 25 % voll) und lässt ihn bis zu 15 Minuten lang "atmen". Erst dann schnuppert man an ihm. Hat man die Aromen kennengelernt, geht es an den ersten Schluck. Die Flüssigkeit sollte eine Weile im Mundraum zirkulieren, ähnlich wie bei Wein und Weinbrand.